Empowerte und engagierte junge Jüdinnen und Juden gestalten ein pulsierendes, facettenreiches, sowie nachhaltiges jüdisches Leben in Deutschland und tragen zu einer vielfältigen & hassfreien Gesellschaft bei.
Vision
Inspiriert durch unsere jüdischen und demokratischen Werte bestärken wir junge Jüdinnen und Juden ihre jüdischen und Gesellschaftsordnung politischen Interessen zu diskutieren, zu bündeln und eröffnen breite Möglichkeiten diese durch gemeinschaftliches Handeln in jüdische Institutionen als auch in die Gesamtgesellschaft einzubringen.
Mission

Geschichtliches

Bereits kurz nach der Shoah gründeten sich wieder erste jüdische Studierendenvereinigungen in Deutschland, die bundesweite Vertretung junger jüdischer Erwachsenen erfolgte dann mit der Gründung des Bundes Jüdischer Studenten in Deutschland e.V. (BJSD) im Jahre 1968. Trotz großer Erfolge, die der BJSD verzeichnete, nahmen die Aktivitäten des Vereins zum Anfang des laufenden Jahrhunderts hin allmählich und schließlich vollständig ab. So entstand ein Vakuum für jüdische Studierende – das Bedürfnis nach mehr politischen Angeboten und gemeinsamer Arbeit für junge jüdische Erwachsene blieb ungedeckt. Zum Zwecke einer gemeinsamen politischen Arbeit und Interessensvertretung wurde die Jüdische Studierendenunion Deutschland im Dezember 2016 mit dem Gründungsvorstand unter Benjamin Fischer (Gründungspräsident), Arthur Bondarev, Dalia Grinfeld, Lionel Reich und Mike Delberg ins Leben gerufen. Im Rahmen des Jugendkongresses 2017 wurde der erste demokratisch legitimierte Vorstand mit Dalia Grinfeld als Präsidentin, Mike Delberg ,Benjamin Fischer, Arthur Poliakow und Aaron Serota gewählt. Darüber hinaus wurde Oleg Pronitschew erster Geschäftsführer der JSUD. Schon kurz danach veranstaltete die JSUD bundesweit umfangreiche Programme – zu nennen seien das „Shalom Berlin“- Seminar und das „EU-Brüssel-Seminar“ – beide darauf gezielt, jungen Aktiven Einblicke in die Welt politischer Führungskräfte und „Keyplayern“ zu ermöglichen.

Gründungsvorstand
1. Vorstand

Seit 2017 ist die JSUD vollständiges Mitglied bei der European Union of Jewish Students (EUJS) und der World Union of Jewish Students (WUJS). Im Rahmen des WUJS Congresses 2017 wurde die JSUD bereits als „Developing Union of the Year“ ausgezeichnet – 2018 mit dem „Campaign of the Year“ – Award für die Organisation und Durchführung der #AfNee-Demonstration in Frankfurt. Nach dem vorzeitigen Ausscheiden von Benjamin Fischer im Jahr 2018 wurde er durch Boris Liven als Vorstandsmitglied ersetzt.

Die JSUD arbeitete zunächst referatsorientiert. Die Referate „Policy“, „Gesellschaft und Soziales“, „Religion“ sowie „Öffentlichkeitsarbeit“ beschäftigten sich mit der Umsetzung satzungsrelevanter Themen und Angelegenheiten und der Organisation und Durchführung neuer Kampagnen und Veranstaltungen.

Seit den Wahlen im März 2019 setzt sich der JSUD-Vorstand unter Mischa Uschakov (Präsident) aus Anna Staroselski, Lars Umanski , Ruben Gerczikow und Avital Grinberg zusammen. Seit August 2019 ist Noa Luft aktuelle Geschäftsführerin der JSUD. Infolge des Umstrukturierungsprozesses im Herbst 2019 wurden die Referate aufgelöst und die ihre Tätigkeiten an eine projektbasierte Arbeitsweise angepasst.

Bei dem WUJS Congress 2019 erhielt die Jüdische Studierendenunion Deutschland die höchste internationale WUJS-Auszeichnung – „Union of the Year“.

Vorstand

Tippe auf ein Vorstandsmitglied um mehr zu erfahren.

Ruben Gerczikow
1. Wer bist Du?

Gude, wie man bei uns in Frankfurt sagt. Mein Name ist Ruben Gerczikow, geboren und aufgewachsen bin ich in der Mainmetropole. Seit meiner Kindheit bin ich (sport-)politisch interessiert. Seit meiner Kindheit bin ich Anhänger der schönsten Nebensache der Welt: Fussball. Als Spieler und Trainer war ich bei Makkabi Frankfurt aktiv, als Spieler bei Makkabi Deutschland habe ich mehrere Maccabiot hinter mir und als Fan bzw. MItglied des 1.FC Köln leide ich jedes Wochenende mit. Nach dem Abitur habe ich fast ein Jahr in Israel gegangen, um u.a. in einem Kibbuz zu arbeiten und einen Ulpan zu absolvieren. Während meiner Studienzeit an der Universität Wien wurde ich Vorstandsmitglied der Jüdischen Österreichischen HochschülerInnen. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland wurde ich Vorstandsmitglied der JSUD und wurde im gleichen Jahr zum Vize-Präsidenten der European Union of Jewish Students. Wenn ich mich in drei Worten beschreiben müsste wären es Judentum, Zionismus und Fussball.

2. Was ist Dein Lieblingsbuch?

Die Welle von Morton Rhue

3. Welchen jüdischen Feiertag magst Du am meisten und warum?

‍Chanukka bedeutet für mich nicht nur den Sieg von Licht über die Dunkelheit zu feiern. Es bedeutet mich daran zu erinnern, dass wir für unsere Werte und Ideale kämpfen sollen. Selbst wenn die Situation aussichtslos erscheint und wir in der Unterzahl sind, müssen wir nur an uns und an G”tt glauben! Trotz der Überzahl durch die hellenistische Besatzung haben die Maccabäer Widerstand geleistet. Der Kampf für Freiheit und Selbstbestimmung des jüdischen Volkes ist auch heute noch allgegenwärtig.

4. Warum bist Du aktivistisch?

Die Frage ist warum sind es andere nicht? Wir leben in einer turbulenten Zeit, die geprägt von politischer und ideologischer Radikalisierung ist. Gerade wenn radikale Kräfte versuchen an den Grundpfeilern unserer Demokratie zu rütteln, dann müssen wir als Gesellschaft Stand halten. Politischer Aktivismus fängt schon mit dem Gang zur Wahlurne an und mit der Partizipation am politischen Geschehen. Ich will die Politik mitgestalten und für das Einzustehen woran ich glaube.

5. Welche Person aus der jüdischen Religion bewunderst Du?

Wie schon erwähnt ist die Geschichte von Chanukka für mich sehr inspirierend. Dementsprechend habe ich großen Respekt für Jehuda Maccabi, der Anführer der Maccabäer und des Widerstandes gegen den Hellenismus. Seine Stärke, seine Willenskraft und sein strategisches Denken bringen ihn in diese Liste. Außerdem ist er der Namensgeber von den Maccabi-Sportvereinen, die Teil meiner (sportlichen) Identität sind.

Avital Grinberg
1. Wer bist Du?

In keiner Stadt Deutschlands lässt sich mein multikultureller Hintergrund so wunderbar vereinen, wie in meiner Geburtsstadt Berlin. Ich bin in der Künstler*innen- und Ballettszene groß geworden und tanzte zwischen meinem fünften und fünfzehnten Lebensjahr auf den bedeutendsten Bühnen Berlins. Geschichten zu erzählen, Ideale aufzuzeigen und Bedürfnisse auszudrücken, vereint diese Leidenschaft mit meinem Aktivismus. In der Schulzeit engagierte ich mich im Interreligiösen Dialog und in jüdischen Initiativen. Die jüdische Jugendarbeit im Jugendzentrum Olam und auf Machanot weckte in mir das innige Bedürfnis, meinen Beitrag zum Jüdischen Leben in Deutschland zu leisten und meine Überzeugungen in die Jüdische Gemeinschaft einzubringen. Deshalb bin ich neben meinem Studium Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, im Bereich Feminismus, LGBTIQ+, Interreligiöser Dialog und Inklusion aktiv.

2. Was ist Dein Lieblingsbuch?

Das rote Zelt der Frauen von Anita Diamant. Dinah, die einzige Tochter von Leah und Jakob erzählt ihre und die Geschichte unserer Stammeseltern aus weiblicher Sicht. Während Dinah nur sechs Verse in der Thora bekommt, wird in dem Roman das Schicksal der Frauen der Thora komplett aufgerollt und unser Verständnis von jüdischer Geschichte und seiner Perspektive in Frage gestellt.

3. Welchen jüdischen Feiertag magst Du am meisten und warum?

Granatapfel: lecker. Honig: lecker. Lachs: lecker. Rosch Haschana ist für mich aber nicht nur ein absoluter Familien- und Freund*innenfeiertag, sondern auch ein Neustart. Kurz vor Jom Kippur, ist Rosch Haschana ein Check-In mit meinen bisherigen Erlebnissen, Leistungen, Gefühlen und meinem Umfeld aber auch mit meinen anstehenden Plänen, Ambitionen und Träumen.

4. Warum bist Du aktivistisch?

Nachts eine Träumerin, tagsüber Aktivistin - so lebe ich Idealismus, der mich motiviert, meinen Beitrag zu leisten, damit meine Traumwelt und die Realität sich ein Stückchen näher kommen. Ich träume von einer nächstenliebenden und gleichberechtigten Gesellschaft und einer freidenkenden und bunten jüdischen Gemeinschaft.

5. Welche Person aus der jüdischen Religion bewunderst Du?

Erst Letztens habe ich die jüdische Heldin Judith für mich (neu) entdeckt. Judith ist klug, mutig, stark und unabhängig. Im Buch Judith wird deutlich, dass sie sich keinen heteronormativen Standards fügt, sondern ihre Überzeugungen vertritt und nicht nur für sich, sondern für das ganze Land einsteht. Damit trägt sie bis in unsere Zeit absoluten Vorbildcharakter. Jüd*innen in Afrika feiern in ihrem Gedenken “Chag Habanot”, ein fabelhafter Brauch, den ich sehr empfehle nachzulesen!

Anna Staroselski
1. Wer bist Du?

Ich kam im schönen Schwoabaländle, in Stuttgart, zur Welt und wuchs dort auf. Mein politisches Interesse und Engagement begann zu Schulzeiten. Mit 14 Jahren wurde ich in den Jugendrat Stuttgart gewählt und wurde mit 16 Bezirksvorsitzende des Jugendrats Stuttgart-Süd. Durch dieses Amt hatte ich die Gelegenheit mit den Politikern des Gemeinderats und Landtags im regen Austausch zu stehen. In meiner Freizeit war ich als Madricha im Stuttgarter Jugendzentrum Halev tätig. 2015 zog ich dann für mein Studium nach Berlin. Heute studiere ich Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin und arbeite als Werkstudentin im Büro des Bundestagsabgeordneten Till Mansmann mit. Ich engagiere mich zudem beim Jungen Forum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und setzte mich als Vizepräsidentin der Jüdischen Studierenden Union Deutschland für ein positives Narrativ des jüdischen Lebens und Israels in Deutschland ein.

2. Was ist Dein Lieblingsbuch?

Der Alte Mann und das Meer - Ernest Hemingway

3. Welchen jüdischen Feiertag magst Du am meisten und warum?

Mein Lieblingsfeiertag ist: Chanukkah - wenns kalt und dunkel wird draußen, erinnert uns das Judentum daran Wärme und Licht zu verbreiten. Vorsicht Metapher.

4. Warum bist Du aktivistisch?

Gerade heute werden, die Stimmen gehört, die lauter schreien. In Zeiten von Fakenews und der Verbreitung von Hass finde ich es wichtig für Wahrheit, Gerechtigkeit und eine offene Gesellschaft zu kämpfen. Man darf sich nicht geschlagen geben und ich bin überzeugt davon, dass es sich lohnt und auszahlt, wenn man für seine Ideale einsteht und sich selbst treu bleibt.

5. Welche Person aus der jüdischen Religion bewunderst Du?

Absolut inspirierend finde ich die Heldin der Purimgeschichte - Esther Ha Malka. Sie war eine feminine, starke und sehr mutige Frau, die bereit war für ein höheres Gut zu kämpfen.

Mischa Ushakov
1. Wer bist Du?

Mein Name ist Mischa Ushakov, ich bin 21 Jahre alt, Industrie Design Student und begeisterter Europäer. Aufgewachsen in München hatte ich das Glück auf lokaler und nationaler Ebene Teil von jüdischen Jugendorganisationen zu sein zunächst als Chanich, dann als Madrich. Außerdem stand ich seit ich denken kann regelmäßig auf der Bühne, im Chor, am Klavier oder als Schauspieler.  Ich engagierte mich im interreligiösen Dialog bei der Europäischen Janusz Korcak Akademie und 2017 zog ichdann nach Berlin, begann mein Studium, gründete und leitete ein Jahr lang das Policy Referat der JSUD und bin seit März Präsident dieser.

2. Was ist Dein Lieblingsbuch?

Mein Lieblingsbuch ist „Der Fall“ von Albert Camus. Auf 128 Seiten wird man in ein Dialog mit dem Autor verwickelt, der die Grundzüge menschlicher Existenz aufs genaueste seziert.

3. Welchen jüdischen Feiertag magst Du am meisten und warum?

Der Winter ist dunkel und kalt, umso schöner ist ein - im wahrsten Sinne - Lichtblick des Zusammenkommens und leckeren Essens zu haben (mitten in der irgendwie besinnlichen Adventszeit): mein Lieblingsfeiertag ist Chanukka.

4. Warum bist Du aktivistisch?

„Ani we ata neshane et haOlam“- du und ich können die Welt verändern, heißt es in einem Lied Arik Einsteins und fasst mein Motivation für Engagement und Aktivismus ziemlich gut zusammen. Ich bin aktiv, weil ich der Meinung bin, dass jeder es sein muss, um etwas zu verändern. Außerdem meckere ich gerne und das darf man meiner Meinung nach auch nur wenn man sich bemüht, das zu Bemeckernde zu ändern.

5. Welche Person aus der jüdischen Religion bewunderst Du?

Eine Frau, die maßgeblich am Auszug aus Ägypten beteiligt ist und die sich trotzdem nicht in den Vordergrund zwängt. Eine, die nonkonform - singend und tanzend - das jüdische Volk mit guter Laune durch das geteilte Meer führt, eine Ehrliche und manchmal zu Spitzzüngige. Ihr Name, Miriam.

Lars Umanski
1. Wer bist Du?

Geboren bin ich in Charkow, in der Ukraine und wuchs in der Kleinstadt Unna -  in der Nähe von Dortmund, auf. Seit meinem 12. Lebensjahr war ich sowohl Chanich im Dortmunder Jugendzentrum “Emuna” als auch auf den Machnaot der jüdischen Reformbewegung “Netzer”. Dort war ich anschließend auch als Madrich aktiv. Zu Schulzeiten widmete ich einen Großteil meiner Zeit dem Theater und der Musik, nahm Schauspiel - , Klavier - und Gesangsunterricht. Insbesondere lag mir die vielfältige Musik des Judentum am Herzen, sowohl israelische als auch die Klezmermusik der osteuropäischen Juden. Letzteren bin ich bis heute treu geblieben und gebe ab und an auch noch Konzerte in der einen oder anderen Synagoge. Nach einem Auslandsschuljahr in den USA und anschließend meinem Abitur zog ich mit 19 Jahren ins wunderschöne Berlin. Hier studiere ich derzeit Jura an der Humboldt-Universität und bin seit März 2019 Vizepräsident der JSUD.

2. Was ist Dein Lieblingsbuch?

“Exodus” von Leon Uris - ein sehr empfehlenswertes Buch über die Gründung des Staates Israels, das mich persönlich in meiner jüdischen Identitätsfindung bis heute unglaublich geprägt hat.

3. Welchen jüdischen Feiertag magst Du am meisten und warum?

Mein lieblingsjüdischer Feiertag ist “Chanukkah” und nein - es ist nicht das “Jüdische Weihnachten”. - gerade zu dieser Zeit hat es für mich oberste Priorität nach Hause zu meiner Familie zu fahren, abends die Chanukkiah- Kerzen zu zünden und (zur Abwechslung) home-made Latkes anstelle von Studenten-Fast-Food zu essen! ;-)

4. Warum bist Du aktivistisch?

Das Judentum war immer eines der Hauptbestandteile meiner Identität. Zum einen bewegte mich als Jugendlicher, der ein reformjüdisches Machane und parallel dazu ein orthodox geprägtes Jugendzentrum besuchte, mich für ein pluralistisches deutsches Judentum einzusetzen - dafür, dass wir alle unterschiedliche Vorstellungen des Betens, Kleidens und Lebenstills haben können, die Thora jedoch als Großes Gemeinsames verstehen, die uns als Volk unabhängig unserer Differenzen eint.
Zum anderen war es die Tatsache, dass ich im Gegensatz zu denen, die in der Großstadt aufgewachsen sind und immer Teil der “Jüdischen Bubble” waren, eine ganz andere Seite erlebte, geprägt von der fehlerhaften Annahme meiner Mitschüler, der einzige Jude zu sein, den sie kannten und andererseits dem ständigen Kampf mit meinen Eltern, trotz antisemitischer Vorfälle und in die Wiege gelegter sowjetischen Angst, das Judentum nach außen zu tragen. Angeblich war ich der “einzige Jude” der Schule. Ich kannte aber noch mindestens 5 weitere. 5 weitere, die die selbst jüdisch waren, aufgrund einer fehlenden jüdischen Erziehung jedoch entweder nichts über das Judentum wussten und sich aus völlig unverständlicher Scham auch nicht damit auseinandersetzen wollten oder  die, die sich für ihre jüdische Abstammung gar schämten und sie bei jeder sich ihnen bietender Gelegenheit durch ihre Kreuzhalskette leugneten. Ich verstand, dass es sich hierbei nicht gerade um eine kleine Anzahl junger Juden in Unna handelt, sondern ein Problem in der gesamten deutsch-jüdischen Community außerhalb der etablierten “Jüdischen Bubble”. Und diese Einsicht bewegte mich dazu, den Großteil meiner Zeit eben dem jüdischen Aktivismus zu widmen - damit jüdisches Leben in Deutschland nicht an Assimilation, veralteter sowjetischer Angstvorstellungen und Desinteresse zur eigenen Herkunft verloren geht.

5. Welche Person aus der jüdischen Religion bewunderst Du?

Ein sehr interessanter Charakter für mich ist Josef (Sohn Jakobs) - er fügte sich nicht den bis heute existierenden gesellschaftlichen Vorstellungen eines Mannes, war sensibel und verträumt, tanzte eben aus der Reihe. Als einer der großen Helden des Judentums verzieh er seinen Brüdern einen nahezu unverzeihlichen Hochverrat und war im Einklang mit sich selbst - im Einklang damit, anders zu sein, als die anderen und dennoch wurde er von G’tt geliebt.

Policies

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Kampf gegen BDS

Antragsteller*innen​: ​Lars Umanski, Aaron Kats, Lena Prytula

Antragstext: ​Die Kampagne Boycott, Divestment, Sanctions (BDS) birgt durch ihre Verbreitung antizionistischen Gedankenguts, ihr undemokratisches und einschüchterndes Auftreten eine ernsthafte Gefahr für den Erhalt offenen jüdischen Lebens weltweit. Die BDS-Aktivitäten bilden einen Nährboden für antisemitische Äußerungen und Handlungen.

Wir stellen fest,​ dass die vom Deutschen Bundestag am 18. Januar 2018 beschlossene (BT Drucksache 19/444) „Arbeitsdefinition von Antisemitismus“ der Internationalen Allianz für Holocaust - Gedenken (IHRA) mitsamt ihren Anhängen in der von der Bundesregierung am 27. September 2017 dargelegten Form, die Grundlage für die Auseinandersetzung mit Antisemitismus darstellt..

Wir stellen fest,​ dass gemäß der IHRA - Definition „Antisemitismus eine bestimmte Wahrnehmung von Juden [ist], die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nichtjüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum, sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen. Darüber hinaus kann auch der Staat Israel, der dabei als jüdisches Kollektiv verstanden wird, Ziel solcher Angriffe sein“.

Wir stellen fest,​ dass BDS den demokratischen und jüdischen Staat Israel mit menschenrechtsverachtendem auf Rassenideologien begründeten ehemaligen Apartheid-Regimes in Südafrika gleichstellt und so die Grausamkeiten der Apartheid verharmlost.

Wir stellen fest​, dass BDS weder für eine Zwei-Staaten-Lösung, noch für einen diplomatischen Dialog einsteht, sondern eine Delegitimierung Israels propagiert und unter dem Deckmantel einer Israel kritisierenden Organisation offen Antisemitismus mindestens duldet und ferner auch fördert.

Wir stellen fest, ​dass die Inhalte und Aktiven der BDS in Deutschland sich somit unter die IHRA-Definition subsumieren lassen und demnach als antisemitisch einzustufen sind.

Wir glauben, ​dass BDS-Aktivitäten bereits auf ausländischen Campi, namentlich in den USA und Frankreich, zeigen, dass diese eine ernsthafte Bedrohung für die Wahrung eines offenen jüdischen Lebens darstellen.

Wir glauben​, dass jüngere Vorfälle, namentlich die grausame Beschimpfung einer Holocaust-Überlebenden israelischer Herkunft in einer Veranstaltung an der Humboldt-Universität zu Berlin durch BDS-Aktivisten, die Gegenwärtigkeit der Gefahr von BDS verdeutlichen.

Wir glauben, ​dass ein Verbot der BDS-Kampagne notwendig ist, um den vorherrschenden israelbezogenem und antizionistisch motivierten Antisemitismus in Deutschland erfolgreich bekämpfen zu können.

Wir glauben​, dass ein Verbot auch präventiv notwendig ist, um die Beeinträchtigung offenen jüdischen Lebens in Universitäten, wie in den USA, Frankreich, etc., zu verhindern (s.o.).

Wir fordern,​ dass die JSUD die BDS-Kampagnen in Deutschland gegen den Staat Israel bekämpft.

Wir fordern, ​dass die Kooperation mit BDS-Funktionär*innen und nahestehenden Personen gänzlich ausgeschlossen wird.

Wir fordern, ​dass die JSUD über BDS aufklärt. Dies kann z.B. in Form von (Online-) Seminaren geschehen und über Social-Media-Kanäle verbreitet werden.

Wir fordern, ​dass die JSUD auf die Verhinderung BDS propagierender Veranstaltungen hinwirkt. Sollte eine Universität, (Jugend-)Partei, Fraktion, Jugendorganisation/-Verband, Stadt, oder eine Stiftung in Deutschland sich bereit erklären, BDS organisatorische Unterstützung zu bieten, wie z.B. durch Räumlichkeiten, finanzielle Unterstützung oder Öffentlichkeitsarbeit, so soll die JSUD nach Kenntnisnahme und interner Prüfung dieses Vorhabens dagegen vorgehen. Dies soll durch Aufklärungsarbeit bei den BDS-Kooperationspartnern erfolgen, ehe dem öffentliche Maßnahmen ergriffen werden.

Wir fordern, ​dass die JSUD sich für ein bundesweites Verbot von BDS-Organisationen einsetzt.

2
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Erstellen einer JSUD-Website

Antragsteller*innen​: ​Mark Nudelmann, Jakob German, Julia Kildeeva

Wir stellen fest, ​dass die JSUD eine aktive, professionell auftretende, sowie eigenständige Organisation ist, welche aktiv auf sozialen Netzwerken, wie Facebook, Instagram und Twitter vertreten ist.

Wir stellen fest, ​dass aktuell keine Website der JSUD existiert und somit nur eine eingeschränkte Personenzahl auf den Informationsfluss der JSUD zugreifen kann.

Wir glauben​, dass eine Website der JSUD das Wachstum des Bekanntheits- und Öffentlichkeitsgrades positiv beeinflusst und eine intensivere Vernetzung von jüdischen Netzwerken und Kooperationen zu nicht-jüdischen Organisationen und Menschen fördert.

Wir glauben​, dass durch eine eigene Website die Organisation und deren Arbeit transparenter ist sowie dessen Zugänglichkeit erhöht wird. Es können sich mehr Personen über die JSUD und das junge jüdische Leben in Deutschland informieren und mit ihr und der jungen jüdischen Gesellschaft in Kontakt treten. Dies trägt dazu bei, dass der interkulturelle - und interreligiöse Dialog gefördert wird.

Wir fordern, ​dass die JSUD bis zum 31. Juli 2019 eine eigene und von anderen Institutionen unabhängige Website schafft, welche für eine professionelle, effektive und fortschrittliche Arbeit unentbehrlich ist.

Wir fordern,​ dass die Website der JSUD bis zum 31.07.2019 unter anderem Informationen zu
folgenden Themenfeldern beinhaltet:

  • Organigram/ Aufbau der JSUD
  • Satzung, Policies, Wahlordnung
  • Wer wir sind
  • Referate
  • Vorstand
  • Regionale Verbände und Kooperationspartner
  • Aktuelle / vergangene Angebote
  • Pressemitteilungen

Diese Informationen werden von der JSUS regelmäßig auf dem aktuellsten Stand gehalten wird.

3
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Plastik und Müllreduzierung bei der JSUD

Antragsteller*innen: Lena Prytula, Michael Ushakov

Wir stellen fest, ​dass sowohl in der Thora, als auch in anderen Schriften und Kommentaren, auf denen das Judentum basiert, die Umwelt als irreparabel beschrieben wird. G ́tt ermahnt den Menschen sie zu erhalten und nicht zu zerstören. *

Wir stellen fest, ​dass seit dem Beginn der industriellen Produktion von Plastik über 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert worden sind. **

Wir stellen fest, ​dass nur 9% des produzierten Plastiks weltweit recycled wurden. Es werden 42% des heute produzierten deutschen Plastiks recycled. Betrachtet man die Anzahl des in Deutschland recycelten Plastiks, der also für den Recyclingvorgang nicht in Drittländer verschifft wird, schätzen Experten, dass nur 5,6% des verbrauchten Plastiks wirklich recycelt wird. ***

Wir glauben​, dass wir als junge Juden und als Teil der deutschen Gesellschaft verpflichtet sind einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.

Wir glauben​, dass im Sinne von Tikkun Olam (Verbesserung der Welt) es auch in unserem Interesse liegt, auf die Umwelt und Natur zu achten und sie zu schützen.

Wir glauben​, dass Plastikkonsum irreparable Schäden auf der Welt hinterlässt, Flora und Fauna zerstört und die Lebensqualität aller Tiere und Menschen erheblich beeinträchtigt. Woraus zu folgern ist, dass eine zukünftige Welt ohne Plastik eine bessere wäre.

Wir fordern, ​dass bei Seminaren und Veranstaltungen der JSUD der Gebrauch von Einwegplastik eingestellt wird. Stattdessen soll umweltfreundlich organisiert und gehandelt werden und auf recyclebare Stoffe umgestiegen werden.

Wir fordern, ​dass bei Seminaren und Veranstaltungen, die mit Kooperationspartnern zusammen durchgeführt werden, die Thematik Einwegplastik angesprochen wird und das Ziel einer einwegplastikfreien V​eranstaltung verfolgt wird.

Wir fordern​, dass bei Merchandise Artikeln über den Nutzen und die Effektivität, aktiv nachgedacht wird, gerne mit Beratung von Experten.

* vgl. u.a. Genesis 2:15, Kohelet Rabot 7:13

** Quelle 2

*** Quelle 3

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Vertiefung und Ausbau von Kooperationen und Koalitionen

Antragsteller*innen​: ​Michael Ushakov, Julia Klideeva

Wir stellen fest​, dass die JSUD 25.000 junge Juden in Deutschland vertritt. Diese junge, jüdische, politische und gesellschaftliche Stimme ist sowohl für die Zielgruppe der JSUD eine relevantes Tool zur Interessenbildung und -vertretung, als auch für die deutsche Politik und Zivilgesellschaft ein wichtiger Partner. In Anbetracht der 82.000.000 Einwohner*innen der Bundesrepublik, ist diese Stimme zwar eine bedeutsame Minderheit, jedoch eine Minderheit.

Wir stellen fest, ​dass weitere religiöse, ethnische, kulturelle und andere Minderheiten sowohl nach innen, als auch nach außen sich in Teilen mit ähnlichen Problematiken beschäftigen, wie die junge, jüdische Gemeinschaft in Deutschland.

Wir stellen fest, ​dass es im Kampf gegen Antisemitismus, Rassismus, Fremdenhass, Homophobie, Frauenfeindlichkeit und weiterem menschenfeindlichen oder gruppenbezogenem Hass und Diskriminierung, zahlreiche weitere Organisationen, Vereine und Initiativen gibt. Deren Forderungen stimmen oft in großen Teilen mit denen der JSUD überein und sind somit unterstützenswert .

Wir stellen fest, d​ass solche Organisationen auch Partner anziehen, die den ​ Grundforderungen solcher zustimmen, jedoch in anderen Bereichen ihrer Arbeit sich auf ein Wertekonstrukt stützen, das nicht mit dem der JSUD zu vereinen ist.

Wir stellen fest, ​dass in der Vergangenheit, die Veranstaltungen die in Kooperationen entstanden oder von Koalitionspartnern unterstützt wurden, mitunter die waren, die eine sehr hohe und positive Resonanz erhielten. Als Beispiele wären zu nennen die “AfNee Kundgebung” im Oktober 2018, die Solidaritätskampagne für Sinti & Roma im April 2017 und das Tacheles Seminar “Heimat” im Januar 2019.

Wir glauben, ​dass mehr, vor allem junge, Menschen zu repräsentieren, einer Botschaft mehr Gewicht verleiht. Gemeinsame Ziele und Forderungen mit anderen Minderheiten zu erreichen und durchzusetzen verleiht der Stimme gegen Antisemitismus, Rassismus usw. (s. oben) eine höhere Relevanz innerhalb der deutschen Gesellschaft und führt dazu, dass diese auf Bundesebene besser gehört und an dessen Lösung stärker gearbeitet wird.

Wir glauben, ​dass Koalitionen und Kooperationen den interkulturellen - und interreligiösen Dialog fördern, welcher heute, in einer verstärkt fremdenfeindlichen Zeit von Nöten ist.

Wir glauben, ​dass durch Kooperationen, weitere und tiefgreifende Koalitionen entstehen können, welche dazu beisteuern, ein großes Netzwerk an „Freunden“ der jüdischen Gesellschaft zu entfalten. Dies steuert dazu bei, dass die Gesellschaft sich freiwillig dazu entscheidet, sich über die jüdische Gesellschaft, deren Werte und Normen zu informieren und sich für diese stark zu machen.

Wir glauben, ​dass durch Kooperationen in vorhandenen Projekten, die Ziele in zukünftigen Projekten effektiver und einfacher erreicht werden können.

Wir glauben, ​dass Kooperationen auch für nicht Beteiligte als Beispiel für das Zusammenleben in einer vielfältigen, pluralistischen Gesellschaft dienen können.

Wir fordern​, in Zukunft weiterhin bei den unterschiedlichsten Projekten Kooperationen mit Partnern anzustreben und zu vertiefen die dieselben Ziele und Forderungen und ähnliche Werte vertreten. Durch dauerhaften Austausch und Kontakt sollen auch Koalitionen erwachsen.

Wir fordern ​aktiv nach politischen Initiativen, Bewegungen, Demonstrationen oder Kundgebungen zu suchen, deren Forderungen denen der JSUD entsprechen und sich diesen anzuschließen. Explizit verantwortlich sollen dafür das Referat für Öffentlichkeitsarbeit und Gesellschaft und Soziales sein.

Wir fordern, ​dass vor der Teilnahme an politischen und gesellschaftlichen Initiativen, Bewegungen, Demonstrationen oder Kundgebungen, alle Unterstützer*innen und Organisator*innen gründlich überprüft werden. Sollten Unterstützer*innen oder Mitorganisator*innen und ihre Werte und Einstellungen mit denen der JSUD kollidieren, ist zu überprüfen, ob für diese eine der bestehenden Policies herangezogen werden kann. Ist dies nicht der Fall entscheidet der Vorstand über die Teilnahme als Unterstützer. Unabhängig von der Entscheidung soll publik gemacht werden, dass unter den Unterstützer*innen oder Mitorganisator*innen der expliziten politischen und gesellschaftlichen Initiativen, Bewegung, Demonstration oder Kundgebung, Organisationen oder Personen sind, die den Werten der JSUD in einigen Punkten entgegenstehen. Diese sind zu nennen.

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Policy zum Empowerment von Frauen und zum Schutz vor geschlechterbasierter Diskriminierung

Antragstellerinnen: Laura Cazés, Marcelia Rosenfeld, Anna Staroselski, Hanna Veiler

Wir stellen fest:
1.1 Frauen sind sowohl in Führungspositionen als auch in repräsentativen, demokratisch legitimierten Ämtern unverhältnismäßig wenig präsent. Dies lässt sich in jeglichen politischen Kontexten beobachten, in denen nicht explizit Ämter für Frauen und für Männer vorgesehen werden.

1.2 Die unverhältnismäßige Sichtbarkeit von Frauen in der JSUD ist Teil eines größeren strukturellen Problems mangelnder Befähigung in der Gesamtgesellschaft, die gezielt angegangen werden muss, um historisch bedingte Ungleichheit zwischen den Geschlechtern vollends zu überwinden.

1.3 Die Verbreitung von geschlechterbasierter oder sexualisierter Diskriminierung, Gewalt und Belästigung können alle Menschen, unabhängig ihrer Geschlechterzugehörigkeit und -identität treffen. Bis heute sind vor allem Frauen von dieser Ausprägung von Gewalt betroffen.

1.4 Erst durch die weltweite #metoo Kampagne wurde das Ausmaß geschlechterbezogener und sexueller Gewalt, Diskriminierung und Belästigung, die in allen Gesellschaftsbereichen auftreten sichtbar.

1.5 Bisher ist insbesondere in jüdischen Settings in Deutschland und darüber hinaus den zuvor benannten Themen, obwohl diese im besonderen Maße die Mehrheit der Zielgruppen betreffen. *

Wir glauben:
2.1 Gleichberechtigung bedeutet allen Mitgliedern einer Gesellschaft gleiche Möglichkeiten zu zugänglich zu machen. Die Gewährleistung der Gleichberechtigung aller Geschlechter ist essentiell – sowohl in der Gesamtgesellschaft als auch in der jüdischen Gemeinschaft - in der jeder Person die Möglichkeit geboten werden soll, sich nach individuellem Potential, Entscheidung und Bedürfnis einzubringen, beizutragen und zu profitieren.

2.2 Es steht im Einklang mit unseren jüdischen und humanistischen Werten, sowohl explizite Maßnahmen zur Stärkung der Frauen zu ergreifen, als auch die gesamte Gesellschaft für die Wichtigkeit der Gleichstellung der Geschlechter zu sensibilisieren.

2.3 Das Empowerment von Frauen auf persönlicher, professioneller und auf öffentlicher Ebene ist eine unverzichtbare Maßnahme, um die Gleichberechtigung der Geschlechter zu erzielen.

2.4 Jede Organisation kann nur von einer Führungsform profitieren, die gerecht, gleichberechtigt und repräsentativ ist. Die Implementierung einer solchen Führungskultur in den jüdischen Gemeinden und jüdische Organisationen würde nicht nur die Arbeit der Gemeinschaft bereichern sondern auch einen vorbildhaften Charakter annehmen.

Wir fordern:
3.1 Es soll gezieltes Bewusstsein für das Fehlen weiblicher Führung geschaffen werden: Sowohl in für jüdische Studierenden in Deutschland relevanten Kontexten, als auch in repräsentativen Instanzen der Gemeinden und in den zentralen jüdischen Organisationen.

3.2 Die JSUD soll in ihrer politischen Themensetzung und in ihrer Programmgestaltung darauf hinarbeiten, dass Frauen sich gleichermaßen befähigt fühlen, alle repräsentativen Ämter zu bekleiden.

3.3 Es ist erstrebenswert, dass sich die demografische Verteilung der Geschlechter auch repräsentativ in demokratischen Prozessen abbildet. Folglich sollte diese auch am Engagement von JSUD-Aktivist*innen sichtbar werden.

2.4. Die ​Sexual Harassment Guideline der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, zu genderspezifischen oder sexuellen Gewalt, Diskriminierung oder Belästigung, soll von der JSUD als klare Regeln und Standards adaptiert werden, durch die ein “safe space” auf Seminaren oder Veranstaltungen gewährleistet werden kann.

2.5. Bei Vorfällen die sich dennoch ereignen, soll es eine Instanz geben, die den Betroffenen Sicherheit und Gehör gewährt. Wir empfehlen die Benennung einer Person durch den Vorstand, die sich der Umsetzung der oben aufgeführten Themen annimmt. Der/die Frauenbeauftragte/r soll als direkte Anlaufstelle dienen, unterstützt bei Implementierung von Empowerment-Maßnahmen und erarbeitet eine JSUD-eigene Richtlinie zum Schutz vor sexueller Diskriminierung, Belästigung und Gewalt.

* 51 % der Weltbevölkerung sind Frauen.

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Mitgestaltung der JSUD am Jugendkongress

Antragsteller 1: Sandro Szabo
Antragsteller 2: Wladislaw Kanevski

Wir stellen fest,​ dass der Jugendkongress der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V. und des Zentralrats der Juden in Deutschland K.d.ö.R. eine große, bedeutende und zentrale Veranstaltung für junge jüdische Erwachsene in Deutschland ist.

Wir stellen fest,​ dass sich die JSUD seit ihrer Gründung fest in der jüdischen Welt verankert hat und wichtige Impulse in die deutsche Gesellschaft gibt. Die JSUD ist zu einem wichtigen Sprachrohr für junge jüdische Erwachsene in Deutschland geworden.

Wir stellen fest,​ dass beim Programm des Jugendkongresses junge jüdische Erwachsene (somit die Zielgruppe der JSUD) in einen politischen und gesellschaftlichen Diskurs treten.

Wir stellen fest,​ dass die Vollversammlung der JSUD laut §6.1 Vollversammlung der Satzung der JSUD in Zeit und Ort an den jährlichen Jugendkongress der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V. und des Zentralrats der Juden in Deutschland K.d.ö.R. gebunden ist.

Wir stellen fest,​ dass einige Policies mit den bestehenden Strukturen des Jugendkongresses schwer umsetzbar sind. Beispielsweise sind die Teilnahmebedingungen bei JSUD Veranstaltungen und Aktivitäten und die des Jugendkongress verschieden.

Wir glauben,​ dass der Jugendkongress in den nächsten Jahren stark an Bedeutung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft gewinnen wird.

Wir glauben,​ dass die JSUD einen guten Zugang zu ihrer Zielgruppe und deren Bedürfnisse, Meinungen und Ideen hat.

Wir glauben,​ dass der Jugendkongress sich nicht nur an junge jüdische Erwachsene richtet, sondern auch von ihnen mitgestaltet werden soll.

Wir fordern,​ dass der JSUD Vorstand in einen intensiven Dialog mit der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V. und dem Zentralrat der Juden in Deutschland K.d.ö.R. tritt um gemeinsame Strukturen und Lösungen zu erarbeiten, welche eine Mitgestaltung der JSUD am Jugendkongresses ermöglichen. Dies sind insbesondere Zeit, Ort, Themenwahl, Schwerpunkte und die Auswahl von (möglichst junger und paritätisch besetzter) Referent*innen.

Wir fordern,​ dass der JSUD Vorstand eine Arbeitsgruppe zur Mitgestaltung am Jugendkongress (zu den oben genannten Punkten) gründet.

Wir fordern,​ dass die JSUD mit der ZWST eine Lösung zur Selbstbestimmung von Teilnehmer*innen an JSUD Programmpunkten beim Jugendkongress erarbeitet.

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IHRA Arbeitsdefintion von Antisemitismus

Antragsteller 1: Ruben Gerczikow
Antragsteller 2: Benjamin Fischer
Antragsteller 3: Aaron Kats

Wir konstatieren, ​dass Antisemitismus sowohl innerhalb der politischen Linken und Rechten, sowie aus dem islamistischen Spektrum existiert.

Wir konstatieren, ​dass die jüdische Gemeinschaft, wie alle anderen Minderheiten, das Recht hat zu definieren, was als Diskriminierung gegen uns gilt.

Wir konstatieren, ​dass der Antisemitismus in ständig wechselnden Formen auftritt und wir eine Definition adaptieren müssen, die der Diversität des Antisemitismus gerecht wird.

Wir konstatieren, ​dass die Arbeitsdefinition von Antisemitismus der Internationalen Allianz zum Holocaustgedenken (IHRA)* , die international anerkannteste und meist gebräuchliche Definition zum Antisemitismus ist, die unter von einer Reihe europäischer Staaten – unter anderem von Deutschland – adaptiert worden ist.

Wir glauben, ​dass es nicht antisemitisch ist das Vorgehen der israelischen Regierung, ohne weitere Hinweise auf eine antisemitische Intention, zu kritisieren.

Wir glauben, ​dass es nicht antisemitisch ist die israelische Regierung, ohne weitere Hinweise auf eine antisemitische Intention an denselben Standards wie andere liberale Demokratien zu messen.

Wir glauben, ​dass die politische Arbeit und Kampagnen der JSUD sich an der IHRA Arbeitsdefiniton von Antisemitismus orientieren sollte.

Wir glauben, ​dass die IHRA Definition nur mit all ihren Beispielen vollständig ist.

Wir fordern, ​dass die JSUD die IHRA Arbeitsdefiniton von Antisemitismus als ihre Referenz in der Arbeit gegen Antisemitismus adaptiert.

Wir fordern, ​dass die JSUD sich dafür einsetzt, dass ein offener Diskurs zum Nahostkonflikt, ohne dem Gebrauch von Antisemitismus, stattfinden kann.

Wir fordern, ​dass die JSUD sich dafür einsetzt, dass Länder, Kommunen, Universitäten, Studierendenvertretungen und sonstige relevante Institutionen die IHRA Arbeitsdefiniton von Antisemitismus adaptieren.

* Quelle

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Berücksichtigung von jüdischen Feiertagen in der Öffentlichkeitswahrnehmung und Öffentlichkeitsarbeit

Antragsteller: Thomas Haber, Dana Daboosh, Michael Movchin, Asaf Erlich & Aleks Gloukman

Wir konstatieren, dass durch die Tora uns bestimmte Feiertage gegeben wurden, die uns jegliche Art von Arbeit verbieten.

Wir stellen fest, dass jüdische Studierende Pflichtveranstaltungen (u.a. Klausuren und Staatsexamen) an jüdischen Feiertagen haben. Erschwerend kommt hinzu, dass z.B. bei der Planung der Medizin-Staatsexamen 2018, der Ersttermin an Jom Kippur ist, der erste Ausweichtermin an Jom Tov Pessach ist und der zwei Termin 2019 an Chol Hamoed Sukkot stattfindet.

Wir glauben, dass es gegenüber der jüdischen Gemeinschaft respektvoll ist, sich an diese Halachot zu halten. Es zeigt, dass dem JSUD die traditionellen Werte Ihrer jüdischen Mitglieder wichtig sind.

Wir glauben, dass es wichtig ist zu verdeutlichen, dass das Judentum genauso zu Deutschland gehört, wie das Christentum und das man auch auf die jüdischen Feiertage Rücksicht nehmen muss.

Wir fordern, dass der JSUD sich politisch und gesellschaftlich dafür einsetzt, dass sich kurzfristig bei der Planung von anstehenden Pflichtveranstaltungen an jüdischen Feiertagen ändert. Darüber hinaus sollen Maßnahmen ergriffen werden, damit nachhaltig bei der Planung solcher Veranstaltungen jüdische Feiertage berücksichtigt werden.

Wir fordern, dass die JSUD sich bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation nach außen an die religiösen Gegebenheiten des Judentums richtet und insbesondere auf den Shabbat, Feiertage (Jom Tov & Trauertage) und Arbeitsverbote Rücksicht nimmt.

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Bekämpfung von Antisemitismus in der Gesellschaft

Antragsteller 1: Julia Kildeeva
Antragsteller 2: Michael Ushakov

Wir stellen fest, dass Antisemitismus in allen Teilen der Gesellschaft vorkommt. Er beschränkt sich nicht auf gewisse Altersgruppen. Dieser Antisemitismus beruht auf alten, rassistischen Klischees und Ressentiments.

Wir stellen fest, dass tagtäglich antisemitische Äußerungen und Meinungen von verschieden orientierten Personen im Internet veröffentlicht und verbreitet werden.

Wir stellen fest, es gibt keine aussagekräftigen Statistiken zu Antisemitismus und antisemitischen Straftaten, da einzelne Formen des Antisemitismus nicht genau genug definiert sind. Außerdem werden alle antisemitischen Straftaten, bei denen der Hintergrund nicht bekannt ist, zu rechtem Antisemitismus gezählt - das verfälscht die Statistiken.

Wir stellen fest, dass für einen Teil der deutschen Bevölkerung die Worte Jude und Israeli Synonyme sind. Dadurch werden Juden zur Verantwortung für israelische Politik gezogen und es entsteht Antizionismus, der eigentlich Antisemitismus ist.

Wir glauben, dass verfälschte Statistiken die Bekämpfung des Antisemitismus erschweren, da mögliche Erfolge und Misserfolge falsch evaluiert werden und dadurch falsche Schlüsse zu bestehenden und zukünftigen Strategien und Maßnahmen ergriffen werden.

Wir glauben, dass antisemitische Äußerungen und Meinungen im Internet besonders gefährlich sind, da sich diese schnell verbreiten können und Menschen, deren Meinung nicht verfestigt ist, dadurch beeinflussen lassen.

Wir glauben, dass die Berufung eines Antisemitismusbeauftragten alleine nicht genügt, um Stereotype und Ressentiments gegenüber Juden zu begegnen.

Wir fordern, eine bessere Unterscheidung der Hintergründe antisemitischer Taten bei deren Erfassungen durch die Polizei.

Wir fordern, eine klare Unterscheidung bzw. Definition des Antisemitismus von rechter-, linker und der muslimischen Seite. Die von der Bundesregierung angenommene Arbeitsdefinition von Antisemitismus der Internationalen Alianz für Holocaustgedenken muss als Richtlinie für polizeiliche und gerichtliche Entscheidungen dienen.

Wir fordern, dass alle Lehrer auf die Themen Antisemitismus und Judentum sensibilisiert werden und im Lehrplan bei Behandlung jüdischer und israelischer Themen der Unterschied zwischen Juden und Israelis deutlich gemacht wird.

Wir fordern, von der JSUD eine Kampagne zum Unterschied zwischen Jude und Israeli, wobei dabei deutlich gemacht werden soll, was ein Jude bzw. was das Judentum ist und was wir mit der israelischen Politik und Kultur zu tun haben.

Wir fordern, dass die JSUD die jüdischen Studierenden über bestehende Netzwerke und Möglichkeit zur Antisemitismusbekämpfung im Netz informiert und motiviert diese daran teilzuhaben.

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Policy zum Umgang mit sexuellen Minderheiten

Antragsteller: Misha Yantian, Arthur Poliakow, Lars Umanski, Anna Shmukler, Aaron V. Sumov

Antragstext:

Eine der wichtigsten innerjüdischen Debatten betrifft den Umgang mit religionsgesetzlichen Anweisungen bezüglich sexueller Minderheiten. Dabei geht es u.a. um die Einstellung bezüglich der Gültigkeit der Thora und Halacha.

Wir konstatieren, dass Jüdinnen und Juden, die sich der LGBTQ*-Gemeinschaft1 zugehörig fühlen, oft Opfer von Ausgrenzung und Diskriminierung innerhalb der eigenen jüdischen Gemeinschaft sind. Das Thema "sexuelle Minderheiten" wird in jüdischen Gemeinden und Organisationen immer noch weitgehend tabuisiert.

Wir konstatieren, dass Haltung und Wissen bei signifikanten Teilen der jüdischen Gemeinschaft gegenüber der sexuellen Minderheiten ablehnend und gering ist.

Wir glauben, dass Sexualität und Judentum nicht getrennt werden müssen. Die Eigenbestimmung der Sexualität, des Glaubens und der damit verbundene Respekt sind selbstverständlich für die heutige pluralistisch geprägte Gesellschaft.

Wir fordern, mehr Respekt und Akzeptanz in der jüdischen Gemeinschaft für Menschen, die sich der LGBTQ*-Community zugehörig fühlen.

Wir fordern, eine breitere und stärkere Kooperation mit der jüdischen LGBTQ*-Community. Beispielsweise könnte diese im Rahmen von Veranstaltungen, wie z.B. Shabbatot, der Unterstützung von jüdischen Events in der LGBTQ*-Szene (z.B. "Christopher Street Day"), sozialen und kulturellen Programmen sowie Aufklärungskampagnen erfolgen, um sich mit Hindernissen eines gemeinsamen pluralistischen Zusammenlebens auseinanderzusetzen.

Wir fordern, die Bekämpfung jeglicher Form von Diskriminierung gegenüber sexuellen Minderheiten.

* lesbian, gay, bisexual, transgender, and queer sowie weitere sexuelle Minderheiten

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Pluralistisches Judentum innerhalb der JSUD

Antragsteller: Lars Umanski, Aaron V. Sumov, Arthur Poliakow, Misha Yantian, Anna Shmukler

Antragstext:

Eine der kontroversesten innerjüdischen Debatten betrifft den Umgang mit der Diversität jüdischer Strömungen sowie den patrilinearen Jüdinnen und Juden.

Wir konstatieren, dass in den hierzulande dominierenden orthodoxen und einheitlichen Gemeinden die Integration patrilinearer Jüdinnen und Juden in die jüdische Gesellschaft strikt abgelehnt wird, obwohl es einen bedeutenden Anteil von patrilinearen Juden gibt.

Wir konstatieren, dass ein Großteil der eingewanderten und einheimischen Jüdinnen und Juden hierzulande mittlerweile nicht nur in halachisch jüdischen Ehen und Familien lebt.

Wir konstatieren, dass eine Ausgrenzung patrilinearer Jüdinnen und Juden oftmals trotz familiärer Verbindung zum Judentum in den Gemeinden vorhanden ist.

Wir glauben, dass das Einbeziehen patrilinearer Jüdinnen und Juden mit Bezug zur Religion wichtig für den Zusammenhalt der pluralistischen Gemeinschaft ist.

Wir fordern, im Rahmen der JSUD eine Gleichstellung aller Denominationen innerhalb des Judentums, inbegriffen orthodoxer, konservativer und liberaler Strömungen. Die Auslegungsfreiheit der Religion ist verknüpft mit der Toleranz gegenüber Jüdinnen und Juden, die ihre Religion auf ihre individuelle Art und Weise ausleben wollen.

Wir fordern, dass auch Menschen, patrilinear-jüdischer Abstammung, die Aktivitäten in den jüdischen Gemeinden und überregional nicht verwehrt werden soll. Darüber hinaus könnten Alternativen, z.B. in Form einer assoziierten Gemeindemitgliedschaft geschaffen werden.

Wir fordern, dass sich die JSUD aktiv für alle jüdischen Strömungen sowie für die patrilinearen Jüdinnen und Juden einsetzt.

Wir fordern, dass patrilineare Jüdinnen und Juden mit Bezug zum Judentum bei allen Veranstaltungen und Aktivitäten der JSUD integriert werden. Innerhalb dieses Rahmens sollte ihnen ein Engagement ermöglicht werden.

Wir fordern, dass diverse jüdische Riten und Bräuche bei den JSUD-Aktivitäten berücksichtigt werden.

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Antisemitismus in der muslimischen Bevölkerung in Deutschland

Antragsteller 1: Joel Crepu
Antragsteller 2: Michael Suliman

Wir konstatieren, dass Juden und Muslime gemeinsam über Jahrhunderte in Nordafrika und im Nahen Osten in relativer Harmonie friedlich lebten, wohnten und feierten. Während Juden vor Pogromen aus Europa flohen, fanden viele in der arabischen Welt Schutz und Zuflucht. Jedoch wurden Juden in der muslimischen Welt auch teilweise diskriminiert (Dhimmi-Status). Daher sollte keine geschichtsrevisionistische Romantisierung stattfinden.

Wir konstatieren, dass innerhalb der letzten zwölf Monate in der Bundesrepublik mehrere Fahnenverbrennungen, Bedrohungen, antisemitische Ausschreitungen, Todesdrohungen und gewaltsame Übergriffe auf jüdische Passanten, Fußballspieler und Schüler von Personen muslimischen Glaubens ausgingen. Zudem wurde ein geplanter Anschlag auf eine Synagoge vereitelt.

Wir konstatieren, dass die Täter ihre Gewaltbereitschaft oft politisch und/oder religiös begründen.*

Wir konstatieren eine Zunahme des israelbezogenen Antisemitismus unter jungen Deutschen muslimischen Glaubens, welche häufig durch soziale Netzwerke und arabische sowie türkische Medien verursacht und gefördert wird.

Wir konstatieren, dass laut PMK-Statistik in 2017 ca. 2% der antisemitischen Kriminaldelikte von Personen muslimischen Glaubens begangen wurden und der überwiegende Mehrheit dem rechten Milieu zuzuordnen ist. Diese Statistik wird von dem Unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus sowie mehreren Experten als verzerrt betrachtet. Der tatsächliche Anteil antisemitischer Kriminaldelikte seitens Personen muslimischen Glaubens sei höher als in der PMK-Statistik erfasst.*

Wir konstatieren, dass das Ausmaß antisemitischer Einstellungen und Ansichten unter muslimischen Erwachsenen mit Einwanderungshintergrund (56%) höher als unter nichtmuslimischen Erwachsenen (16%) ist.**

Wir konstatieren, dass laut dem Unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus die Mehrheit der Bevölkerung im Nahen und Mittleren Osten antisemitische Ansichten vertritt und ein großer Teil der Geflüchteten und Asylbewerber aus dieser Region stammt.* Eine vorläufige Studie zeigt, dass israelbezogene Verschwörungstheorien unter Geflüchteten aus Syrien und Irak verbreitet sind. Laut dem Verfasser der Studie sind weitere Studien nötig, um das Ausmaß zu untersuchen.***

Wir konstatieren, dass die Bundesregierung die »Arbeitsdefinition von Antisemitismus« der Internationalen Allianz für Holocaustgedenken (IHRA) im September 2017 annahm und die Ernennung eines Antisemitismusbeauftragten beschloss.

Wir glauben, dass keine Bevölkerungsgruppe unter Generalverdacht gestellt werden darf. Dies gilt ausdrücklich auch für Muslime, welche als Minderheit in Deutschland selbst Diskriminierung erfahren.

Wir glauben, dass Antisemitismus ein gesamtgesellschaftliches Problem darstellt und herkunftsübergreifend ist. Die muslimische Bevölkerung ist weder die einzige noch die Hauptquelle von Antisemitismus in Deutschland.

Wir glauben, dass Antisemitismus unter Muslimen in Deutschland zu lange unterschätzt wurde und es ein strukturelles Problem in unserer Gesellschaft darstellt.

Wir glauben, dass die Berufung eines Antisemitismusbeauftragten alleine nicht genügt, um Stereotype und Ressentiments gegenüber Juden zu begegnen.

Wir fordern, dass die Statistiken der antisemitisch motivierten Kriminaldelikte systematisch optimiert werden, um die gegenwärtige Realität korrekt abbilden zu können.

Wir fordern eine größere Offenheit und Bereitschaft jüdischer und muslimischer Organisationen und Gemeinden vermehrt aufeinander zuzugehen und interreligiösen Dialog zu fördern. Mögliche Themen wären die religiösen und weltlichen Anschauungen, das Leben als Minorität, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Antizionismus und Islamfeindlichkeit.

Wir fordern von den muslimischen Dachverbänden, Gemeinden und Organisationen eine interne Auseinandersetzung mit Antisemitismus in den eigenen Reihen.

Wir fordern mehr Investitionen in neue Präventions- und Fortbildungsangebote gegen religiös, politisch sowie sozial bedingte Formen von aktuellem Antisemitismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, welche Deutsche sowohl mit als auch ohne Migrationshintergrund erreichen können. Dazu zählen im Lehrplan integrierte Bildungsmaßnahmen bezüglich Vorurteile und Ressentiments und einer differenzierten Darstellung des Nahostkonfliktes sowie vermehrte Besuche von erinnerungspolitischen Gedenkstätten für sowohl Schüler*innen und Student*innen als auch Flüchtlinge.

Wir fordern Präventionskurse für Bildungskräfte um sich mit den verschiedenen Ausprägungen des Antisemitismus und Rassismus vertraut zu machen.

Wir fordern eine Aufklärungskampagne in sozialen Netzwerken.

Wir fordern, dass die von der Bundesregierung angenommenen »Arbeitsdefinition von Antisemitismus« der Internationalen Allianz für Holocaustgedenken (IHRA) in dem formellen Bildungswerdegang und in informellen Bildungsangeboten integriert wird. Die besagte Definition sollte zudem als Richtlinie für polizeiliche und gerichtliche Entscheidungen dienen.

Wir fordern, dass zusätzlich zu dem Antisemitismusbeauftragten auf der Bundesebene weitere Beauftragte jeweils auf Länderebene ernannt werden, welche gemeinsam ihr regionales und nationales Vorgehen koordinieren. Die ernannten Delegierten sollten mit ressortübergreifenden Befugnissen agieren und in ihrem Mandat eine besondere Aufmerksamkeit auf das Bildungswesen richten.

* Quelle 1

** Quelle 2

*** Quelle 3

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Regionale Mitgestaltung, Transparenz und Zusammenarbeit

Antragsteller: Dalia Grinfeld

Wir stellen fest, dass in Deutschland eine blühende Landschaft von regionalen jüdischen Studierendenorganisationen existiert, welche durch die Gründung der JSUD bereichert und verstärkt wurde.

Wir stellen fest, dass die Zielgruppe der JSUD in die Wirkungskreise der regionalen Studierendenverbände hineinreicht.

Wir glauben, dass die regionalen Studierendenverbände als eine Art "Brückenbauer" zwischen der JSUD und der Zielgruppe funktionieren können und sollen, vor allem nachdem die regionalen Studierendenverbände für deren Mitglieder greifbarer sind und die regionalen Studentenverbände mit deren Mitgliedern in regem Austausch stehen.

Wir glauben, dass bei gemeinschaftlicher Zusammenarbeit die Effektivität bei der Arbeit um das gemeinsame Ziel weitaus höher liegt.

Wir fordern, die unverzügliche Wahl einer Kommission, bestehend aus sechs natürlichen Personen zuzüglich der JSUD-Präsidenten und einem Mitglied des JSUD-Vorstands (Referatsleiter Regionales), welche damit beauftragt wird bis zum 31.07.18 einen Ausschuss zu schaffen. Dieser soll die Mitgestaltung aktiver, organisierter, jüdischer Studierendenorganisationen in Deutschland innerhalb der JSUD regeln. —> Änderung

Der Ausschuss wird mit dem erklärten Ziel geschaffen, Transparenz zu fördern, Synergien zu nutzen und einen direkten Kommunikationskanal zwischen dem JSUD- Vorstand und den nach 1) definierten Organisationen zu schaffen. Somit soll effektive Zusammenarbeit gefördert werden.

Die Kommission wird damit beauftragt zur nächsten Vollversammlung eine entsprechende Satzungsänderung, welche den Ausschuss als Organ i.S. §4 der JSUD Satzung verankert, vorzubereiten.

Der Ausschuss hat nach Ablauf der oben genannten Frist mit sofortiger Wirkung die Arbeit innerhalb der zu schaffenden Strukturen aufzunehmen.

Auf Grundlage der Vorschläge dieser Vollversammlung werden Ilja Cinicper (VJSNord), Einat Goldstein (Studentim), Michael Movchin (VJSB), Alexandra Golovina (BJSB), Enja Springob (Jung und Jüdisch), Simon Beckmann (VJSH) nebst der JSUD Präsidentin Dalia Grinfeld und JSUD-Vorstandsmitglied Aaron Serota als Mitglieder der Kommission benannt. —> Änderung

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Präsenz auf dem Campus

Antragssteller 1: Ilja Schermann
Antragssteller 2: Michael Ushakov

Wir stellen fest, dass die jüdische Gemeinschaft in Deutschland sich als integraler Bestandteil dieser Gesellschaft sieht, doch immer wieder erfährt, dass dies nicht für alle in dieser Gesellschaft selbstverständlich ist.

Wir stellen fest, dass in den (politischen) Studentenvertretungen der Universitäten und Hochschulen keine oder wenig jüdische Interessenvertretung vorhanden ist. Es fehlt eine zentrale Anlaufstelle für jüdische Student*innen an Universitäten, die sich zur Aufgabe die Vertretung der jüdischen Interessen gesetzt hat. So kam es bereits zu Klausuren an jüdischen Feiertagen und "Israelkritischen" Veranstaltungen, mit antisemitischen Tendenzen.

Wir glauben, dass es Unkenntnis ist, die Stereotypen schafft und Xenophobie und Antisemitismus ermöglicht. Daraus schließend glauben wir, dass vor allem persönliche Erfahrungen und Präsenz im Leben eines jeden einzelnen Individuums Stereotypen, Xenophobie und speziell Antisemitismus bekämpfen und vorbeugen kann.

Wir glauben, dass es unsere Verantwortung ist als jüdische Menschen für jüdische Belange einzustehen.

Wir fordern, dass die JSUD und v. a. die regionalen Stundentenverbände einen Fokus darauf legen ihre "Mitglieder" zu motivieren in diese Studentenvertretungen beizutreten und sich darin zu engagieren. Dies könnte man durch lokale Informationsveranstaltungen für die Mitglieder der regionalen Studentenverbände anbieten.

Wir fordern, dass die JSUD sich für die Schaffung von Kommunikationskanälen zwischen Universitäten und jüdischen Studierenden einsetzt.

Wir fordern, dass sich die JSUD und die regionalen Studentenverbände dabei aktiv beteiligen, jüdische Hochschulgruppen ins Leben zu rufen. Dafür gilt es festzustellen, wie groß die Zielgruppe an den einzelnen Universitäten ist.

Wir fordern jüdische Präsenz auf dem Campus, durch Veranstaltungen und Aktionen. Diese Aktionen könnten im Rahmen von jüdischen Feiertagen durchgeführt werden, um auch jüdischen Alltag in den Alltag deutscher, nicht-jüdischer Kommilitonen zu integrieren und das Judentum, als Teil des deutschen Alltags, am Campus sichtbar zu machen. Solche Aktionen sollen auch antisemitischen und antizionistischen Tendenzen des universitären Alltags entgegentreten.

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Sicherstellung und Ausweitung der Zusammenarbeit zwischen der JSUD und regionalen Verbänden

Antragsteller: Michael Movchin, Dana Daboosh, Asaf Erlich, Aleks Gloukman & Thomas Haber

Wir stellen fest, dass in Deutschland eine blühende Landschaft von regionalen jüdischen Studierendenverbänden existiert.

Wir stellen fest, dass die Zielgruppe der JSUD sich mit den Wirkungskreisen der regionalen Studierendenverbände überschneidet.

Wir stellen fest, dass die JSUD aufgrund der direkten Überschneidung der Wirkungskreise zusätzlich zur Vertretung der Interessen jüdischer Studierender und junger jüdischer Erwachsener auch gleichzeitig das überregionale Sprachrohr der jüdischen regionalen Studierendenverbände sein kann und diese Verbände bei politischen Aktivitäten unterstützt.

Wir stellen fest, dass die zahlreichen regionalen jüdischen Studierendenverbänden bislang nicht ausreichend bundesweit organisiert und koordiniert sind.

Wir glauben, dass die existierenden und aktiven Studierendenverbände hinreichender in die Arbeit und Abstimmungen der JSUD eingebunden werden sollen.

Wir glauben, dass die regionalen Studierendenverbände als eine Art "Brückenbauer" zwischen der JSUD und der Zielgruppe fungieren können und sollen, vor allem nachdem die regionalen Studierendenverbände für deren Mitglieder greifbarer sind und die regionalen Studierendenverbände mit deren Mitglieder in regem Austausch stehen.

Wir glauben, dass bei gemeinschaftlicher Zusammenarbeit die Effektivität bei der Arbeit um das gemeinsame Ziel weitaus höher liegt.

Wir fordern, dass die Policies der JSUD Empfehlungen für die Ausrichtung der regionalen Verbände und bei Abweichung die Zusammenarbeit mit der JSUD nicht eingeschränkt wird. Die regionalen Verbände bleiben autonom und können sich weiterhin insbesondere nach Außen eigenständig vertreten.

Wir fordern, dass die JSUD sich als bundesweite Vertretung jüdischer Studierender und junger jüdischer Erwachsener in Deutschland der Aufgabe der überregionalen Koordination der regionalen jüdischen Studierendenverbände sowie der Koordination von überregionalen Veranstaltungen annimmt.

Wir fordern, dass die JSUD bei geplanten Aktivitäten im Wirkungskreis der regionalen Verbände diese mit den regionalen Verbänden abstimmt und diese aktiv in die Planung mit einbezieht. Insbesondere ist auf regionale Gegebenheiten und Terminplanungen Rücksicht zu nehmen.

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Umgang mit der AFD

Antragsteller 1: Michael Ushakov
Antragsteller 2: Dalia Grinfeld

Wir stellen fest, dass die AfD seit der Bundestagswahl 2017 mit 12,6 % im Deutschen Bundestag vertreten ist und somit Meinungen der deutschen Bevölkerung repräsentiert. Somit ist zum ersten Mal seit dem Ende des Holocausts wieder eine rechtspopulistische Partei im Bundestag vertreten.

Wir stellen fest, dass die AfD mit ihren Themenschwerpunkten reale Ängste und Ressentiments in der Gesellschaft anspricht. Diese Ängste intensivieren sie, indem sie fremdenfeindliche Menschenbildern vertreten und propagandieren. Sie instrumentalisieren die Sorgen der Bürger*innen für ihre rassistischen Lösungsansätze.

Wir stellen fest, dass die AfD, unserer Auffassung nach, dem Grundsatz von Religionsfreiheit (Art. 4 GG) , u.a. durch die Forderung des Verbots des Schächtens (religiös begründetes Schlachten von Tieren) und der Forderung des Verbots der religiös motivierten Beschneidung des Mannes entgegensteht. Grundlagen des jüdischen Lebens in Deutschland werden von der AfD somit (theoretisch) unmöglich gemacht. Das Grundsatzprogramm dämonisiert den Multikulturalismus und sieht die deutsche Kultur als bestehendes, unveränderliches Produkt - das ist rassistisch.

Wir stellen fest, dass die AfD durch das Predigen einer "traditionellen Familie" in ihrem Grundsatzprogramm und darüber hinaus homophob ist. Durch die Rückbesinnung auf die "Vollzeit-Mutter" und die Forderung der weiteren Kriminalisierung von Abtreibungen vertritt die AfD ein unemanzipiertes Frauenbild.

Wir stellen fest, dass anhand der drei zuvor genannten Punkte bei der AfD undemokratische Tendenzen vorhanden sind.

Wir stellen fest, dass gewählte Vertreter der AfD sowohl antisemitische, rassistische und menschenverachtende, als auch Holocaust relativierende Aussagen tätigten. Mit Worten wie u.a. "Ziege", "Parasiten", wurden Menschen einer Religionsgruppe im nationalsozialistischen Jargon beschrieben. Solchen Fällen folgte keine nachhaltige und konsequente Reaktion der Partei.

Wir stellen fest, dass die AfD für viele Holocaustleugner eine neue politische Heimat geworden ist, ohne dass sich diese Personen von ihren menschenverachtenden Positionen distanziert haben.

Wir glauben, dass jeder Mensch - unabhängig von Religion, Geschlecht, sexueller Identität, Hautfarbe, ethnischer Herkunft, Behinderung, Alter und politischer Orientierung - gleich ist und gleich zu behandeln ist. In diesem Glauben werden wir bestärkt von der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland und von jüdischen Textgrundlagen (Tanach, Talmud usw.) auf denen unsere Religion basiert.

Wir glauben, an die Vorteile einer pluralistischen Gesellschaft, die Selbstbestimmungsrechte der Frau und die Freiheit seine Sexualität frei auszuleben. Wir sehen es als unsere Pflicht diese pluralistischen Werte zu verteidigen.

Wir glauben, dass das Grundsatzprogramm der AfD mit den Einschränkungen der Religionsfreiheit gegen die Art. 3 GG und Art. 4 GG verstößt. Die Umsetzung der Forderungen der AfD würden jüdisches Leben und religiöse Vielfalt in Deutschland unmöglich machen.

Wir glauben, dass wir als jüdische Minderheit ein Bewusstsein für das Minderheitendasein in Deutschland haben und die Pflicht haben uns für die Rechte anderer aktiv einzusetzen, auch um unsere Rechte präventiv zu schützen.

Wir glauben, dass die AfD versucht jüdische Bürger*innen und Institutionen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

Wir glauben, dass wir sowohl als Juden, sowie auch als Bürger Deutschlands in der Verantwortung stehen, den Opfern des Holocaust zu gedenken und die Geschehnisse und Verbrechen der Geschichte weder zu vergessen, noch zu relativieren.

Wir glauben, dass diverse Lösungsvorschläge der AfD einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft widersprechen.

Wir fordern, dass die JSUD jegliche Kooperation, Unterstützung und Zusammenarbeit mit der AfD und ihren Unterorganisationen unterlässt. Bei Anfragen zu öffentlichen Auftritten und Veranstaltungen wie Podien, Demonstrationen usw., bei denen die AfD als Gesprächspartner oder (Mit-)Organisator auftritt, ist eine individuelle Prüfung der JSUD Teilhabe durch den JSUD Vorstand vorzunehmen.

Wir fordern, dass die JSUD kontinuierlich auf antisemitische, rassistische, undemokratische, holocaustrelativierende und -leugnende, frauenfeindliche und homophobe Äußerungen und Einstellungen der AfD Partei, Fraktion und einzelner Funktionäre aufmerksam macht und sich aktiv gegen diese mit einer lauten, öffentlichen Stimme einsetzt.

Wir fordern, dass die JSUD auch in Kooperation mit anderen Organisationen Aufklärungsarbeit zu den Gefahren von rechtspopulistischen Parteien wie der AfD leistet und somit verhindert, dass die AfD unter dem Deckmantel der Israel- und Judenfreundlichkeit insbesondere bei jüdischen Wählern Erfolge verzeichnet.

Wir fordern, dass sich die JSUD und ihre Zielgruppe intern mit den Inhalten der AfD, aber auch anderer Parteien, kritisch auseinandersetzt und für die realen Ängste der Bevölkerung versucht Antworten zu finden, die für eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft förderlich sind.